Hammaburg NF 16 2011 Vor- und Frühgeschichte aus dem niederelbischen Raum

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Beschreibung

Der 16. Band der Neuen Folge der Zeitschrift HAMMABURG widmet sich in elf Beiträgen der Archäologie und Geschichte Hamburgs mit seinen angrenzenden Regionen, darunter im Besonderen der südlichen Metropolregion. Diese stellt traditionell das Hauptbetätigungsfeld des Helms-Museums dar, das seit einigen Jahren Archäologisches Museum Hamburg heißt. Die Zusammenstellung und Vielfalt der Beiträge spiegelt geradezu idealtypisch die Geschichte und Forschungstradition des seit 1898 bestehenden Museums wider.

Der Hauptbeitrag des Bandes von Mareike Jenke befasst sich mit den Ausgrabungen im Duvenseer Moor, die in den 1920er Jahren begonnen haben. Das bedeutendste Fundstück dieser Forschungen ist ein mesolithisches Holzpaddel, das weltweit zu den ältesten Belegen für die Nutzung von Wasserfahrzeugen zählt. In der neu eröffneten Dauerausstellung des Archäologischen Museums wird es sehr anschaulich neben einem Original-Einbaum präsentiert, der zwar nicht mesolithischen, sondern jüngeren Ursprungs ist, aber den funktionalen Zusammenhang mit dem Paddel aufs Beste illustriert. Gleichzeitig ist die Magisterarbeit der Autorin ein glänzendes Beispiel für die in den letzten Jahren sehr intensivierte Kooperation mit der Universität Hamburg, die auf vielen Ebenen Synergien zeitigt.

Auch die Kooperation mit dem Elbcampus, dem Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg in Harburg, trägt erste Früchte. So konnten in der dortigen Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Nord in einer hochmodernen Anlage digitale Röntgenbilder von Blockbergungen aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld von Neu Wulmstorf-Elstorf angefertigt werden. Die Funde stammen aus einer Forschungs- und Lehrgrabung, die die am Archäologischen Museum ansässige Kreisarchäologie für den Landkreis Harburg in erneuter Zusammenarbeit mit Fachstudenten der Universität Hamburg durchgeführt hat und auch 2011 fortsetzen wird.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Aufarbeitung bedeutender Altfunde, die mehr und mehr in den Fokus der wissenschaftlichen Mitarbeiter des Hauses rücken. Dies liegt in erster Linie daran, dass erstmals seit Jahrzehnten die auf zahlreiche Standorte verstreuten archäologischen Bestände und Teilsammlungen des Museums im Archäologischen Zentralmagazin Hamburg zusammengefasst und dort in einem großen Forschungsprojekt laufend digital inventarisiert werden. Aus diesen Altbeständen stellt Yvonne Krause einen bronzezeitlichen Sichelhort aus Neu Wulmstorf-Daerstorf vor, der 1972 im Zusammenhang mit der Übertragung sämtlicher vor- und frühgeschichtlicher Funde aus dem Hamburger Museum für Völkerkunde an das Helms-Museum in die Sammlung gelangt ist, ebenso wie eine überaus prachtvolle wikingische Scheibenspange aus Silber, die aus Birka stammen soll und ins frühe 10. Jahrhunden datiert.

Aus museumseigenen Ausgrabungen, die unter der Leitung seines einstigen Direktors Willi Wegewitz in Putensen im Landkreis Harburg durchgeführt worden sind, stammen zwei der drei eisenzeitlichen Armringe, die Wulf Thieme vorstellt. Drei weitere Beiträge sind das Ergebnis von Ausgrabungen der Abteilung Bodendenkmalpflege des Museums: Andreas Hüser untersucht Feuergruben der späten Bronzezeit aus Prospektionsgrabungen der Jahre 2007 und 2008 in Poppenbüttel, Katrin Christeleit legt Befunde des frühen ·Mittelalters aus der Hamburger Altstadt vor, und Andreas Ströbl und Dana Vick dokumentieren die Untersuchungen in der Gruft des Hamburger Michel.

Zwei Beiträge erweitern den Blick auf die benachbarte Hansestadt Stade, deren Genese stets in engem Zusammenhang mit der Entwicklung Hamburgs von der frühmittelalterlichen Hammaburg zur bedeutenden Handelsmetropole zu sehen ist. Die Publikation dieser wichtigen Grabungsergebnisse in der Zeitschriftenreihe des Archäologischen Museums Hamburg ist ein schöner Beleg für die enge Vernetzung und länderübergreifende Kooperation, ohne die moderne archäologische Forschung weder in einem Stadtstaat wie Hamburg noch in einem Flächenstaat mehr denkbar ist.